Man muß nicht in 180 Ländern
gewesen sein. Ich war aber eine
Weile in den USA und in Kanada. Die
Menschen dort sind ausgesprochen
freundlich, hilfbereit und
solidarisch. Das mag vielleicht in
den großen Städten nicht so sein,
aber die Gegenden, die ich
kennenlernen konnte, da ist mehr
Gemeinschaftlichkeit untereinander
zu fühlen gewesen, als in unserem
Lande. Ich hab da überhaupt
erstmalig mitbekommen, wie sehr
bürgerschaftliches Engagement
funktionieren kann. Warum sich die
Amis in ihren Filmen immer so
derartig bescheuert selbst
darstellen, kann ich nicht
verstehen. Als Deutscher wurde ich
niemals beschimpft. Nur, daß ich
(als typisch romantisierender
Deutscher) so sehr für die Indianer
eintrat, wurde mir nachgetragen.
Abgesehen von all solchen
Nebensachen, geht es mir darum zu
bestätigen, daß es sehr wohl auf
das persönliche Auftreten ankommt.
Scheiß egal ist, ob man dabei
flächendeckend auftritt. Die Armen
dieser Welt leben nämlich überall
ziemlich ähnlich beschissen. Die
sind es aber, die bei solchen
Katastrophen besonders betroffen
sind und als erste vergesen werden,
egal ob von "Deutschland" oder von
Herrschenden in ihren eigenen
Ländern. Es ist albern hier
Nationalitäten zu erwähnen und
aufzurechnen. Wir leben in
Wohlstand gegenüber den Armen in
anderen Ländern. Das verpflichet
uns nicht zu reuemütigen Wohltaten,
aber bittesehr das Jammern (und
erst recht über [viel zu billig
importierten und] teuer verkauften
Tabak sollten wir uns allemal
sparen. Und wenn es den Armen im
eigenen Land leider auch nicht gut
geht, dann sollte das unsere
Solidarität eher stärken, unsere
Wut auf die Ungerechtigkeit erhöhen
und sich in praktischem Handeln
zeigen. Im Kleinen und bei sich
fängt alles an.